Easy-Aquarell: Der Aquarell-MalkursEasy-Aquarell: Der Aquarell-Malkurs

Skizzen

Auch wenn man beim Aquarell nicht zwangsläufig nur gute Bilder malt, wenn man eine Vorskizze anlegt, so ist dies doch manchmal recht hilfreich. Besonders, wenn man noch Anfänger ist und nicht so genau weiß, worauf es ankommt beim Aufbau eines Bildes. Manchmal entstehen jedoch auch durch ganz spontanes „Drauflosmalen" die schönsten Bilder. Ich möchte also keinen auf Vorskizzen festnageln, da ich selbst eher selten Vorskizzen anfertige.

Wenn man sich den Aufbau eines Bildes überlegt, sollte man Vorskizzen zunächst auf ein separates Zeichenpapier oder in ein Skizzenbuch zeichnen. Der Grund ist, dass man auf einem normalen Zeichenpapier flexibler ist und auch mal heftig radieren kann. Radiert man hingegen auf Aquarellpapier, ist die Oberfläche des Papiers meist derart beschädigt, dass die Farben später auf den radierten Flächen anders fließen und tiefer in das Papiergewebe eindringen, was zu unschönen Effekten führen kann.

Will man also direkt auf Aquarellpapier zeichnen, sollte man vorher schon ziemlich genau wissen, was man will und zum Radieren nur einen Knetradiergummi verwenden. Diese Gummis sind verformbar wie Knetmasse und durch ihre Weichheit wesentlich sanfter zum Papier als normale Radiergummis.

Die Vorskizze oder Vorzeichnung wird also auf einem normalen Zeichenpapier erstellt. Es ist hilfreich, wenn man zuerst nach einer passenden Komposition des Motivs sucht. Hierfür eignen sich kleine Thumbnails-Skizzen. Man zeichnet Freihand ein paar Rechtecke im Quer- und Hochformat auf ein Blatt oder in ein Skizzenbuch (ca. 5x7 cm) und probiert ganz grob und mit schnellen Linien verschiedene Kompositionen aus. Aus diesen Thumbnails kann man sich dann die passende heraussuchen und an Hand dessen mit der eigentlichen Vorzeichnung beginnen.

Hilfreich ist manchmal auch das Erfassen der Tonwerte mit einer Tonwertskizze. Diese besteht aus den wichtigsten Elementen des Bildes, wobei mit Bleistift markiert wird, welche Teile oder Flächen am dunkelsten und am hellsten sind. Eine Tonwertskizze kann auch ruhig ganz klein gezeichnet werden und vielleicht sogar gleichzeitig mit den Thumbnail-Skizzen. Sie dient lediglich als Erinnerungshilfe für die spätere Ausarbeitung im Bild.

Hat man ein Foto als Vorlage ist es hilfreich, sich für ein besseres Erkennen der Tonwerte das Foto schwarz-weiß auszudrucken oder mit einem Bildbearbeitungsprogramm am Computer in schwarz-weiß anzeigen zu lassen. Oftmals kann man dann die Tonwerte besser erkennen und besser planen, wo man im gemalten Bild Kontraste einbringen sollte.

Gut ist es, wenn man die Vorzeichnung in der Größe anfertigt, in der sie auch später auf dem Aquarellpapier erscheinen soll, denn dann kann man einfach ein Kohlepapier nehmen und die Vorzeichnung auf das Aquarellpapier durchpausen. Dafür liegt das Kohlepapier mit der schwarzen Kohleseite nach unten auf dem Aquarellpapier, die Vorskizze darüber und nun zeichnet man die Konturen der Bildgegenstände mit einem Bleistift noch einmal nach. Hierbei den Bleistift auch nicht zu fest aufdrücken, da sonst Rillen im Aquarellpapier entstehen und auch die Kohle später nicht so leicht wegzuradieren ist. Alternativ schraffiert man die Rückseite der Vorskizze mit einem weichen Bleistift (oder mit einem wasservermalbaren Graphitstift), legt das Papier mit der schraffierten Seite nach unten auf das Aquarellpapier und zeichnet die Umrisse der Skizze nach. Die Umrisse erscheinen sodann auf dem Aquarellpapier.

Ein Kompromiss zwischen Vorskizze auf Zeichenpapier und einfach drauf los malen ist, dass man in ganz zarten Bleistiftstrichen direkt auf dem Aquarellpapier die wichtigsten Grenzen und Objekte grob einzeichnet. Das wäre beispielsweise die Horizontlinie und die Hügelumrisse bei einem Landschaftsbild oder die Vasenform bei einem Blumenstillleben. Für detailliertere Bildgegenstände wie ein Portrait, ein Musikinstrument oder Architektur ist es jedoch meist unumgänglich eine Vorskizze auf einem Zeichenpapier zu erstellen, es sei denn man hat hier schon sehr viel Erfahrung gesammelt. Bei detailreichen Motiven wird in der Regel am meisten radiert und verbessert und die Gefahr, dass das empfindliche Aquarellpapier zu Schaden kommt, ist sehr hoch.

 

Ein wichtiger Tipp für alle, die nicht fotorealistisch malen möchten, sondern eher ihre eigene künstlerische Handschrift ausdrücken möchten: löst Euch davon, jedes Detail der (Foto-)Vorlage abmalen zu wollen! Überlegt Euch, was Ihr mit Eurem Bild erzählen möchtet, was Euch an Eurem Motiv so bewegt und fasziniert hat und legt Euren Fokus hierauf - alles andere im Bild kann reduziert oder sogar weggelassen werden. Zuviele Details überladen ein Bild häufig, wodurch der Betrachter überfordert wird. Wichtig sind starke Kontraste an den Knackpunkten der Komposition (im Goldenen Schnitt), sowie Bereiche mit weniger Ausarbeitung, wo das Betrachterauge sich ausruhen kann. Dadurch entsteht eine Spannung im Bild, die für ein erfolgreich funktionierendes Bild essentiell ist.

Anders herum ist es manchmal auch nötig, einen Gegenstand in eine Bildkomposition einzufügen, der in der Realität nicht vorhanden ist oder sich an anderer Stelle befindet. Das kann ein Laternenpfosten sein, der in Wirklichkeit auf der anderen Straßenseite steht. Oder ein Gartenzaun, der auf der Vorlage nicht vorhanden ist. Keiner der Betrachter wird wirklich zu 100% sagen können, ob das Gemalte wirklich so der Realität entspricht. Meist ist trotzdem ausreichend Wiedererkennungswert im gemalten Bild vorhanden. 

Letztlich wird auch hier jeder Künstler seinen eigenen Weg finden. Ob mit oder ohne Vorskizze – Kunst bleibt Kunst und gut ist, was gefällt.