Easy-Aquarell: Der Aquarell-MalkursEasy-Aquarell: Der Aquarell-Malkurs

Perspektive

Um in einem Landschaftsbild Perspektive zu erzeugen, sollte man bestimmte Regeln kennen und in seiner Vorzeichnung oder Skizze berücksichtigen. Von einem Grundkurs im perspektivischen Zeichnen möchte ich jedoch hier Abstand nehmen, denn hierfür gibt es andere Internetseiten, die dies ausführlicher behandeln und eine speziellere Ausrichtung danach haben.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle Gegenstände oder Personen, die weiter hinten im Bild erscheinen sollen, kleiner sein müssen als Gegenstände oder Personen die im Vordergrund zu sehen sind. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen! Oftmals denkt der Kopf zuviel, wodurch die Größenverhältnisse im Bild nicht stimmig sind. Auch sind die Farben dieser Objekte hinten im Bild blasser und kälter (Blau, Violett) als die der Objekte, die dem Betrachter näher stehen. Details sind immer nur im Vordergrund zu erkennen, jedoch nicht im Hintergrund. Daher kann man Gegenstände im Hintergrund auch einfach abstrahieren, indem man sie nur auf grobe Umrisse, Linien und Punkte beschränkt – je nach Objekt.

Runde Gegenstände, wie beispielsweise ein Leuchtturm, haben je nach Standpunkt des Betrachters gerundete horizontale „Linien". Schaue ich eher von oben auf einen Leuchtturm, dann sind diese Linien eher konkav (nach innen/unten gewölbt), schaue ich von unten den Leuchtturm an, sollten diese Linien konvex (nach außen/oben gewölbt) sein. Ein Skizze soll dies dies verdeutlichen.

/pics/Leuchtturm_tn.jpg

Wege und Flüsse werden von vorne nach hinten schmaler und laufen zu einem imaginären Fluchtpunkt hin. Ein Fluchtpunkt ist ein willkürlich gewählter Punkt am Horizont in einer Landschaftsszene auf den alle horizontalen Linien von Häusern und Straßen zulaufen. Man kann sich diese Linien vorstellen oder auch zart mit Bleistift in einer Vorskizze einzeichnen und darauf dann die Grundrisse eines Hauses aufbauen. Bei Szenen, in welchen dem Betrachter eine Seite eines Hauses direkt zugewandt ist, wird nur ein Fluchtpunkt verwendet. Sieht man von einem Haus aber gleichzeitig zwei Seiten, schaut man also direkt auf die Kante, dann arbeitet man mit zwei Fluchtpunkten, deren Linien sich in der Mitte überkreuzen.

/pics/Fluchtpunkt 01_tn.jpg

/pics/Fluchtpunkt 02_tn.jpg

Die Grundregel in der Perspektivischen Zeichnung lautet: Senkrechte/vertikale Linien bleiben immer senkrecht. Es verschieben sich nur die horizontalen/waagrechten Linien entsprechend der Fluchtpunkte. 

Ein Tipp: wenn man von einer Fotovorlage abzeichnet, ist es sinnvoll das Foto auf den Kopf zu stellen und das Motiv auf diese Weise abzuzeichnen. Trick 17 mit Selbstüberlistung! Das Gehirn erkennt die Gegenstände nicht mehr als das, was sie sind und versucht sie nicht als das abzubilden, was sein Erfahrungswert vorgibt. In der Regel sind Zeichnungen, die auf diese Art gemacht wurden, realistischer und korrekter als wenn sich das Gehirn einschaltet. 

Ist man in einer Stadt unterwegs und skizziert dort Straßenfluchten, kann eine kleine Acrylglasscheibe hilfreich sein. Sie wird vor die Straßenflucht gehalten und man fährt dann grob mit einem nicht-permanenten Filzmarker die Linien nach. Man versteht dadurch besser die Winkel und Schrägen dieser speziellen Motivsituation und kann sie so besser auf sein Bild übertragen.

Alle Gegenstände, die von einer Lichtquelle (Lampe, Sonne, Kerze) angestrahlt werden, haben eine Licht- und eine Schattenseite. Will man daher Licht-Schatten-Kontraste erzeugen (und damit Spannung im Bild), sollte man sich überlegen, von wo das Licht herkommt und den Gegenstand dann entsprechend ausstatten. Lichtreflexe können im Aquarell vor allem mit Aussparen von Papierweiß erzeugt werden, aber auch nachträglich aufgemalte weiße Pastellkreide oder weiße Tusche kann diesen Zweck erfüllen (Mischtechnik). Schatten können entweder durch Einfließen von abgedunkelter Farbe an der Schattenseite (z.B. an einem Baumstamm) in eine noch nasse Fläche oder lasierend durch malen des Schattens auf dem Boden oder Tisch erzeugt werden. Starke Effekte erzielt man, wenn man als Schattenfarbe die Komplementärfarbe zur Farbe des schattenwerfenden Gegenstandes wählt. Vereinfacht gesagt: Male ich also eine gelbe Zitrone, so wirkt das Gelb der Zitrone nochmal so stark, wenn ich den dazugehörenden Schatten in violett lasiere. Ein roter Apfel würde also einen grünen Schatten, eine Orange einen blauen Schatten werfen. Schatten und Objekt wirken zudem zusammengehörig, wenn man ein wenig der Objektfarbe in den jeweiligen Schatten einfließen lässt, um diesen gewissermaßen zu spiegeln.

Auch Häuser haben eine Licht- und Schattenseite. Bei weißen Häusern muss die Schattenseite aber nicht immer grau sein. Die Wirkung ist umso stärker, wenn man der Lichtseite etwas zartes Gelb verleiht (warm) und der Schattenseite mehrere ineinanderfließende Farbtöne von Indigo über Violett zu Braun (kalt) - oder andere Farben, je nach Umgebung und Beleuchtung. Dadurch wirkt eine Szene viel lebendiger.