Easy-Aquarell: Der Aquarell-MalkursEasy-Aquarell: Der Aquarell-Malkurs

Hilfsmittel

Zusätzlich zur Grundausstattung mit Pinseln, Farben und Papier gibt es noch weitere nützliche Hilfsmittel, die die Malerei erleichtern oder dazu verhelfen, bestimmte Effekte hervorzurufen.

Es ist nützlich, wenn man destilliertes Wasser zum Malen verwendet, da hartes Leitungswasser mit hohem Kalkanteil und anderen Mineralien häufig störende Trocknungsränder verursacht. Dieser Effekt wird bei destilliertem Wasser nahezu vermieden. Wem destilliertes Wasser zu teuer in der Anschaffung ist, kann sich auch ein Kalkfiltersystem (Brita) zulegen. Der Effekt ist hiermit allerdings noch schwach zu sehen, da das Leitungswasser nicht komplett frei von allen Mineralien ist. Natürlich kann man auch ganz normales Leitungswasser verwenden - die Bilder werden dadurch nicht schlechter (und auch nicht besser, wenn man destilliertes Wasser verwendet).

Nützlich sind zwei Wassergefäße: eines, um die Pinsel auszuwaschen und eines als Frischwasserdepot, um Schwamm und Pinsel anzufeuchten, wenn man eine neue Farbe anmischen will, damit die Farbe nicht schmutzig wird. Hierfür eignen sich alte Einmach- oder Marmeladengläser, aber auch große Joghurteimer und dergleichen. Letztere haben den Vorteil, dass sie nach Gebrauch stapelbar sind und nicht kaputt gehen, wenn sie einmal herunterfallen.

Eine Palette aus Kunststoff oder Porzellan zum Mischen der Farben ist von Vorteil, da die Mischflächen der Farbkästen meist nicht ausreichen für die vielen Farbmischungen, die man im Laufe der Zeit hat. Man kann hierfür jedoch auch große, alte Prozellanteller verwenden. Wichtig ist nur, dass die Mischfläche weiß ist und nicht dunkel gefärbt, da auf dunkleren Flächen die Farben optisch verfälscht werden und man so nicht sehen kann, wie die Farbe auf weißem Papier wirken würde. Ich verwende eine quadratische Palette aus Kunststoff mit Deckel (John Pike Palette oder Masterson Aqua Pro) im Studio. Diese ist recht groß, hat jedoch viele Vertiefungen am Rand, in die ich meine Tubenfarben hineindrücke. In der Mitte ist eine große Fläche, wo ich die Farben anmischen kann und im Notfall kann auch noch der Deckel zum Mischen herhalten. Praktisch: Nach Gebrauch kann ich die Palette mit dem Deckel schließen und die Farben so vor Staub schützen. Wenn ich unterwegs bin und draußen male nehme ich in der Regel eine kleinere Klapppalette aus stabilem Kunststoff (Mijello Fusion 33 oder Mijello Bulletproof 38). Sie ist sehr leicht und nimmt nicht all zu viel Platz weg im Vergleich zu meiner Atelier-Palette.

Wenn mit einzelnen Papierbögen gearbeitet wird, braucht man ein Brett zum aufspannen des Papiers. Hierfür eignet sich zum Beispiel eine 6 mm starke MDF-Platte, aber auch Sperrholz ist geeignet. Zudem wird zum Aufspannen des Papiers gummiertes Feuchtklebeband/Aquarell-Nassklebeband benötigt. Dieses muss man zum Ablösen wieder anfeuchten. Leider hat es zudem den Nachteil, dass es sich in den meisten Fällen nicht mehr vom Aquarellpapier ablösen lässt. Im Grunde muss man das Aquarellpapier dann beschneiden. Manche Künstler tackern ihre Bilder auch auf eine Holzplatte, nachdem sie es gewässert haben. Das funktioniert auch und die Klammern lassen sich meist recht gut wieder lösen, indem man mit einem Messer darunter geht die Klammer anhebt. Auch kann man Tapetenkleister verwenden, um das Papier aufzuspannen. Dieser muss jedoch etwas verdünnter sein als man ihn für Tapeten verwendet. Auch eine Eiweiß-Wasser-Mischung kann zum Aufkleben benutzt werden. Wenn man das Papier nur fixieren möchte, um es am Verrutschen zu hindern, reicht meist auch ein normales Malerkreppband zum aufkleben oder ein paar breite Metallklammern, mit denen das Papier am Brett fixiert wird. Aufspannen sollte man alle Papiere, die weniger als 300g/m² wiegen. Selbst manche 300er-Papiere wellen sich noch. Nimmt man Papiere mit 450g/m² oder mehr, ist man auf der sicheren Seite und kann diese auch ohne vorheriges Aufkleben/Aufspannen bemalen.

Eine Staffelei ist bei der Aquarellmalerei nicht unbedingt nötig, da die wässrigen Farben sehr schnell Rinnsale bilden und damit den noch unbearbeiteten Malgrund einfärben – im schlimmsten Fall auch Flächen, die man eigentlich weiß halten wollte. Im Liegen können sich allerdings bei leichtem Papier unter 300 g/m² Pfützen bilden, die unschöne „Blumenkohlränder“ erzeugen. Wenn man daher schweres Papier nimmt, kann man auf eine Staffelei gut verzichten. Sollte man dennoch einen Effekt erzeugen wollen, wo Farbe nach unten fließen soll, kann man den Block auch einfach in einem Winkel halten oder mit einem Gegenstand abstützen, so lange der spezielle Effekt gewünscht wird, z.B. einfach eine Rolle Küchenpapier auf einer Seite unter den Block legen. Für die Freilandarbeit bietet sich jedoch eine Staffelei an, die man in die Waagrechte oder in einen kleinen Winkel kippen kann. So hat man einen kleinen Tisch und muss den Block nicht auf den Knien balancieren. Oder man nimmt einen größeren Karton, den man zum Transport zusammenklappt, zum Malen zusammenbaut und als Unterlage für seinen Block oder Papier verwendet. Ein kleiner Klapphocker rundet die Ausrüstung für das Plein-Air-Malen ab.

Ein Schmierpapier aus einem Papierrest oder der Rückseite eines misslungenen Bildes eignet sich gut, um Farben nach dem Mischen anzutesten, bevor man damit direkt in das Bild geht. Manchmal ist man sich nicht sicher, wie die Farbe auf Papier wirkt und ruiniert unter Umständen das ganze Bild, wenn die gemischte Farbe doch noch nicht perfekt war.

Es empfiehlt sich, immer eine Rolle Küchenpapier oder weiches Klopapier bereit zu haben. Mit dem Cellulosepapier läßt sich überschüssige Farbe aufsaugen, man kann damit Wolken produzieren und es ist zum Abstreifen von farbnassen Pinseln geeignet. Um z. B. eine Sonne aus feuchter Farbe zu modellieren, eignen sich auch Q-Tips/Wattestäbchen, da man mit ihnen gezielt Strukturen aufsaugen kann. Auch Watte eignet sich für das Aussparen von fluffigen Wolken.

Eine Kunststoffpipette ist ein nützlicher Helfer, um Wasser auf die Palette zu transportieren oder auch um Farbe von einem Mischfach ins andere zu geben. Das geht weitaus schneller als mit dem Pinsel und sauberer als wenn man das Wasser aus dem Waschgefäß schüttet.

Ein kleiner Naturschwamm kann zum Anfeuchten von großen Papierflächen verwendet werden, wenn nass in nass gemalt werden soll. Außerdem kann der Schwamm trocken als Tupfer dienen, um z. B. Baumkronen oder Flechten auf Steinen zu modellieren. Zudem kann man mit dem Schwamm Gischtnebel an Felsen erzeugen, indem die Farbe der fertig gemalten Felsen vorsichtig mit dem feuchten Schwamm wieder abgelöst wird.

Eine Sprayflasche leistet ebenfalls gute Dienste, wenn man das gesamte Papier anfeuchten möchte und auch um bestimmte Effekte zu erzeugen. Sie ist für mich ein Utensil, auf das ich nicht mehr verzichten möchte. 

Für Vorskizzen auf normalem Zeichenpapier hat sich ein Bleistift mit Härtegrad 2B bewährt. Will man direkt auf Aquarellpapier Umrisse andeuten, eignet sich ein Bleistift mittlerer Härte (HB), der jedoch ohne viel Druck geführt werden sollte, da sich die Linien auf dem Aquarellpapier sonst nicht mehr entfernen lassen, ohne das Papier zu beschädigen. Es gibt inzwischen auch spezielle Aquarell Graphit Stifte, die sich zum Vorskizzieren auf Aquarellpapier besonders eignen, da sich die Linien bei Wasserkontakt auflösen und somit nicht wegradiert werden müssen. Manche Künstler verwenden auch wasservermalbare Buntstifte zum Vorzeichnen. Damit hat man dann auch gleich schon die Bildobjekte in ihrer jeweiligen Farbe.

Ein Radiergummi sei in diesem Atemzug ebenfalls erwähnt. Allerdings sollte man auf Aquarellpapier nur äußerst vorsichtig radieren, da es die Papierstruktur beschädigen kann. Ein sogenannter Knetgummi ist hier von Vorteil, da dieser wesentlich weicher ist als ein normaler Radiergummi und damit auch sanfter zum Papier ist. Zudem kann man mit einem Radiergummi auch gut Maskierflüssigkeit/Rubbelkrepp vom Aquarellpapier wegradieren. Da bleiben die Fingerkuppen sauber.

Skizzenpapier und Kohlepapier sind sehr nützlich, wenn man ein kompliziertes Motiv hat, das eine Vorzeichnung notwendig macht. Man fertigt auf dem Skizzenpapier sein Motiv an und kann hier hemmungslos radieren. Dann legt man ein Kohlepapier auf das Aquarellpapier, die Vorzeichnung darüber und fährt mit dem Bleistift die Umrisse des Motivs mit mittlerem Druck nach. Dann hat man das Motiv auf dem Aquarellpapier und hat selbiges vom Radiergummi verschont. Kohlepapier kann man sehr gut mehrmals verwenden.

Alternativ kann man auch die Rückseite des Skizzenblattes mit einem weichen Bleistift oder Graphitstift oder auch speziellem  Aquarell-Graphitstift (dieser löst sich bei Kontakt mit Wasser wieder) lückenlos schraffieren. Das Papier dann auf das Aquarellpapier legen und die Umrisse der Skizze nachfahren. So umgeht man das Kohlepapier.

Technik-Freaks kommen sicher auch sehr gut mit einem Leuchttisch klar. Man legt die Vorzeichnung auf das Tablet, legt das Aquarellpapier darüber und zeichnet einfach die Konturen nach.

Salz in noch feuchte Farbe eingestreut ergibt interessante Effekte, die gut für Schnee oder Flechten auf Steinen verwendet werden können. Das Salz saugt das es umgebende Wasser samt Farbe beim Trockenvorgang auf und hinterlässt nach vollständiger Trocknung kleine, helle Stellen. Je nach Grobheit und Zeitpunkt des Einstreuens werden die Salz-Effekte stärker oder schwächer. Das Salz kann nach der Trocknung vollständig abgefegt werden. Es lohnt sich, hiermit ein wenig zu experimentieren.

Mit weißer Wachskreide/Ölpastellkreide können z. B. helle Schaumkronen im Meer ausgespart werden, indem man vor dem Malen die entsprechenden Papierstellen mit Wachskreide bemalt und dann mit der Farbe darübergeht. Das hydrophobe Wachs stößt das Wasser ab. So bleibt die Stelle von Farbe unbenetzt.

Mit Frischhaltefolie oder Tüten kann man Bäume und Sträucher modellieren, indem man sie stark zusammenknautscht, in die Farbmischung taucht und dann auf dem Papier Baumkronen tupft. Oder man lässt die Frischhaltefolie leicht geknautscht auf dem nassen Papier liegen und nimmt sie ab, wenn alles getrocknet ist - das ergibt interessante Effekte. Geknülltes Zeitungspapier kann interessante Effekte für Berge ergeben.

Auch Wachsplatten oder Wachspapier, die man sich in gewünschte Formen schneiden kann, aufs feuchte Papier legt und dann mit Farbe übermalt, erzeugen schöne Effekte z.B. für Felsen und Steine. Die Farbe sammelt sich unter den Wachsplättchen und formt die vorgegebene Form.

Tropft man Alkohol auf nass in nass gemalte Flächen, ergeben sich Ringstrukturen und runde helle Flecken. Diese eignen sich für florale Motive oder Steintexturen.

Mit einem Strohhalm kann man ebenfalls lustige Effekte erzeugen. Gibt man eine Pfütze sehr nasser Farbe auf ein Papier und pustet dann durch den Strohhalm die Farbe weiter und in verschiedene Richtungen, entsteht auf diese Weise ein natürliches Geflecht aus Ästen.

Eine alte Zahnbürste eignet sich hervorragend für Spritzeffekte. Ein Fixierblasrohr ist ebenfalls sehr gut für Spritzeffekte zu verwenden. Es erzeugt einen feinen Sprühnebel, der an Airbrush erinnern lässt. Alternativ kann man sich auch kleine Sprüh-Leerflaschen kaufen und diese mit Farbe und Wasser füllen und damit per Sprühnebel Effekte erzeugen. Bitte dabei aber immer einen Atemschutz (Maske oder Tuch) vor Mund und Nase tragen! Einige Pigmente können eingeatmet Gesundheitsschäden verursachen.

Mit einem Malmesser oder Palettenmesser kann man auch Spritzer erzeugen. Hierfür wird die Oberseite mit etwas Farbe bestrichen, das Messer umgedreht und mit dem Finger die Spitze des Messers gezupft. Allerdings sind diese Spritzer meist recht unkontrollierbar. Das Messer kann außerdem verwendet werden, um Aquarellpapier von einem Block zu lösen. Da es keine scharfe Kante hat, bleibt das Papier unbeschädigt. Man kann Aquarellfarbe auch mit einem Spachtel auf das Papier auftragen, ähnlich wie in der Öl- oder Acrylmalerei. Allerdings ist das eine teure Angelegenheit, da Aquarellfarben deutlich teurer sind als Öl- und Acrylfarben. Wer jedoch ein paar Tuben zu Hause liegen hat, die sonst eh nicht benutzt würden, sollte sich diesen Spaß einmal gönnen und hiermit ein wenig experimentieren.

Maskierflüssigkeit/Rubbelkrepp wird von traditionellen Aquarellmalern abgelehnt, ist aber ein nützliches Hilfsmittel, um kleine Details in einem Bild auszusparen, die heller als der Hintergrund sein sollen. Das Mittel wird mit einem möglichst altem Pinsel, Holzstäbchen o.ä. auf die entsprechenden Stellen aufgetragen und trocknen lassen. Damit auch der alte Pinsel dem Maskiermedium länger standhält als nur einmal, kann man ihn zuerst in etwas Flüssigseife tauchen und dann die Maskierflüssigkeit aufnehmen. Danach den Pinsel sofort gut auswaschen und das Medium trocknen lassen. Trägt man die Hintergrundfarbe auf, wird sie von der gummiartigen Oberfläche der maskierten Stellen abgestoßen. Nach dem Trocknen kann man die Maskierung leicht mit dem Finger oder einem Radiergummi abrubbeln und das darunterliegende weiße Papier kommt zum Vorschein. Rubbelkrepp sollte man jedoch nie länger als ein paar Stunden auf dem Papier belassen, da es mit der Zeit stark mit dem Papier verschmilzt und die Oberfläche angreift, wodurch das spätere Bemalen der ausgesparten Fläche kaum noch möglich ist. Manchmal lässt es sich sogar überhaupt nicht mehr ablösen, ohne das Papier zu beschädigen. Man sollte zudem eingefärbtes Maskiermedium verwenden, da es besser sichtbar ist während des Malens. Rubbelkrepp eignet sich außerdem nicht für alle Papiersorten. Papiere, die keine Oberflächenleimung haben, sind ungeeignet. Sie saugen das flüssige Latex auf und geben es nicht wieder frei.

Es gibt zudem permanentes Maskiermedium, welches dauerhaft auf dem Papier bleibt.

In der klassischen Aquarellmalerei gibt es kein Deckweiß, womit man Farben mischen könnte, damit sie pastellartig erscheinen (sollte man in der Regel auch nicht, da hierbei das typische Aquarell-Leuchten verloren geht). Mischt man Reisstärke mit Wasser und bestreicht das Papier damit, kann nach dem vollständigen Trocknen ein komplettes Bild in Pastelltönen entstehen. Die Reisstärke sollte jedoch niemals den Farben direkt beigemischt werden, da sie die Farben verunreinigt und zudem den Pinsel verklebt. Am besten nimmt man für diese Experimente eine Extra-Palette und drückt hier eine kleine Menge Tubenfarbe aus.

Sowohl Winsor & Newton als auch Schmincke bieten diverse Malhilfsmittel an, welche die Maleigenschaften unterschiedlich beeinflussen. So gibt es z. B. ein Mittel, mit dem man die Farben andicken kann, so dass die Farben pastös aufgetragen werden können. Zudem gibt es ein irisierendes Malmedium, welches Pigmentteilchen enthält, die ein wenig wie Strass glitzern. Damit kann man zum Beispiel Schmetterlingsschuppen aufpeppen. Ochsengalle setzt die Oberflächenspannung von Wasser herab. Es ist somit nützlich, wenn man in einem neuen Mischgefäß die Mischflächen vor dem Anrühren der Farbe mit Ochsengalle benetzt. So verteilt sich die Farbe besser. Gummi Arabicum, das Bindemittel der Aquarellfarben, verbessert die Fließeigenschaften der Farben und erhöht deren Leuchtkraft. Mit Granuliermedium wirken Farben, die normalerweise glatt erscheinen, gekörnt. Eine Farbe, die von Natur aus zum Granulieren neigt, ist französisch Ultramarin und bestimmte Erd- und Violetttöne. Deren Pigmente sind sehr schwer, so dass sich diese in die Vertiefungen des Papiers absetzen und ein gekörnter Effekt entsteht. DANIEL SMITH bietet eine Reihe stark granulierender Farbtöne an, die - wenn man es mag - ein Bild aufpeppen und darin Tiefe erzeugen können.

Es gibt noch einige Malmittel mehr zur Auswahl, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Allerdings fordere ich dennoch dazu auf, nach Belieben auszuprobieren, was man interessant findet. Das gilt ebenfalls für andere Effektmittel. Probier aus, was der Haushalt so hergibt.