"Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

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"Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von ulistol » Do 24. Apr 2014, 08:00

:waveabit:
Nachdem Britta mich gefragt hat, ob ich "Multitasking" arbeite, entstand bei mir die Frage, wie Ihr das macht.

Meistens hab ich nämlich mehrere Bilder in Bearbeitung, konzentriere mich aber inzwischen wirklich nur auf das Motiv, auf das ich an diesem Tag besonders Lust hab.
Gleichzeitig 2 Bilder malen funktioniert bei mir nicht, weil ich mich dann nicht richtig auf das Motiv einlasse.
Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen.
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Britta (Do 24. Apr 2014, 08:00)
Viele Grüße von Uli

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von Midge » Do 24. Apr 2014, 10:06

Danke für diese spannende Diskussions-Grundlage, Uli! :ok:

Ich gestehe, bei mir liegen einige Bilder auf einem "Noch zu bearbeiten"-Stapel herum, die ich mal angefangen habe, aber irgendwann nicht mehr weiter wusste oder keine Zeit mehr hatte, sie zu Ende zu malen. Da ich mich jedoch weigere, Bilder einfach in die Endablage zu schieben, kommen diese Kandidaten eben erst mal auf diesen Stapel, wo ich sie mir immer mal wieder anschaue. Oft passiert es, dass ich beim ein oder anderen Bild dann doch noch eine Eingebung bekomme und es fertig male.

In der Regel jedoch konzentriere ich mich möglichst nur auf ein Motiv, das ich dann auf meinem Malplatz liegen lasse und immer wieder dran male (wenn es die Zeit ermöglicht) bist es fertig ist. Zumindest bei großen Bildern mit prägnanten Motiven/Themen. Hier ist es mir wichtig, dass alles stimmt und einen Zusammenhalt hat und am Ende wenigstens dem Nahe kommt, was ich mir als Konzept überlegt hatte. Und das geht nur, wenn man sich nur auf ein Motiv konzentriert und nicht noch zwei weitere Bilder nebenher malt. Würde bei mir auch nicht gut gehen. An meinem Malplatz ist nur wenig Platz und ich kann gerade große Blätter nicht mal einfach so zur Seite legen. Da würde jeder drüberlatschen. Zudem kann man klatschnasse Bilder nicht einfach mal so hochheben und weglegen. Durch die Bewegung verlaufen die Farben dann möglicherweise in einer Weise, die man nicht möchte.

Da fällt mir ein, dass ich noch zwei Bilder von meinem letzten Seminar nachbearbeiten muss... :piper: :grinblue:

Ich habe allerdings auch schon kleine Miniaturen (zwischen 5x7cm und 10x15cm) angefertigt, die ich parallel bearbeitet habe. Ich hatte ein Blatt zerschnitten, das eine missratene Untermalung/Vorbehandlung hatte. Aus diesen kleinen Teilen habe ich dann mit der Restfarbe auf der Palette die kleinen Teile mit Motiven bemalt - jedoch eher Fantasieobjekte mit recht simplen Formen, die sich aus der Untermalung ergeben haben. So lange das eine gerade trocknete, habe ich mir das nächste kleine Format vorgenommen und bin dann immer rundherum von Bild zu Bild gegangen. Die Motive entstehen hier sowieso aus dem Bauch heraus, da muss man sich nicht voll konzentrieren. Und man kann sie eben wegen ihres kleinen Formates gut beiseite legen und hat trotzdem noch Platz, um die weiteren Teilblätter zu bearbeiten.

Also bei mir läuft es mal so mal so. Kommt immer auf die Größe, den Zweck und die Intention an.

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von GoldSeven » Do 24. Apr 2014, 10:23

Bis vor ein paar Jahren war ein einziger Tag Pause für ein Bild das Todesurteil. Ich fing ein Bild an und machte es am selben Tag fertig. Wenn es aufwändiger war oder sowas wie eine Nacht dazwischenkam, auch schon mal am nächsten Tag, aber wenn es liegenblieb, war's das. Ab in den Ordner, schade drum.

Dann stellte ich irgendwann fest, wie sehr meine Sachen davon profitierten, über Nacht liegenzubleiben. Außerdem war es nervig, einen Tag zum Zeichnen frei zu haben und an einer Auftragsarbeit zu sitzen, dem Kunden den Zwischenstand zu schicken - und dann kam keine Antwort, ich hatte aber Zeit. Also die nächste Auftragsarbeit angefangen, so dass ich immer was zum Dran-Arbeiten hatte.

Teilweise hatte ich eine richtig schöne Vorzeichnung fertig, aber dann grad keine Lust oder Zeit zum Colorieren. Bei denen habe ich immer wenig Sorgen; das ist der Schritt, der auch nach einem halben Jahr keine Überwindung erfordert und wenn ich Lust habe, setze ich mich dran. Schwieriger ist es bei komplizierten Szenen, die ich in der Skizzenphase an die Wand fahre - da gehe ich mittlerweile teilweise Monate oder Jahre später wieder dran, es macht klick, und das Ding läuft wieder. (Ein paar warten immer noch. Nach 2 Jahren wird's dann kritisch.)

Grade arbeite ich ja an einem illustrierten Roman, und da mein Arbeitsplatz schrecklich klein ist, mache ich da schon mal ein paar Bilder fertig bis zur Vorzeichnung, um dann wieder meinen Schreibtisch auf "Tusche" umzubauen und mehrere hintereinander weg zu colorieren.

Also, bei mir definitiv der Sprung von der sklavischen "Ein-Bild-Frau" hin zu komplettem Multitasking.

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von Britta » Do 24. Apr 2014, 10:51

Hihi ---Uli :hug: :heartflag: !!!

Ich habe immer nur 1 Projekt am laufen.Und das bleibt so lange auf dem Tisch liegen bis ich es fertig gestellt hab. Es wird von A-Z im Kopf durchgeplant und ich erstelle vorher Farbproben.Bin ich mir bei einem Punkt im Bild nicht schlüssig ,fange ich erst gar nicht an bis ich das Problem gelöst hab und zügig malen kann.

Klar kann beim malen dann noch spontan etwas an meiner Planung umgeworfen werden...das sind dann diese Geistesblitze :rollgrin:

Ich male auch ein Motiv nicht 2x.

Habe ich es 1x gemalt verliere ich irgendwie das Interesse an dem Motiv :yawning:
Ein Bild ist nicht dazu da,um zu erklären,
sondern um beim Betrachter ein Gefühl zu wecken!




Lieben Gruß Britta

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von Ultramarin » Do 24. Apr 2014, 12:22

Spannendes Thema, danke, Uli :hug:

Also wenn ich denn mal was male :piper: dann läuft das genau so ab wie bei Britta:

Britta hat geschrieben:Ich habe immer nur 1 Projekt am laufen.Und das bleibt so lange auf dem Tisch liegen bis ich es fertig gestellt hab. Es wird von A-Z im Kopf durchgeplant und ich erstelle vorher Farbproben.Bin ich mir bei einem Punkt im Bild nicht schlüssig ,fange ich erst gar nicht an bis ich das Problem gelöst hab und zügig malen kann.

Klar kann beim malen dann noch spontan etwas an meiner Planung umgeworfen werden...das sind dann diese Geistesblitze :rollgrin:
Mit dem Unterschied dass ich es anschließend praktisch immer ein zweites Mal male, weil es an irgendeiner Stelle doch nicht so funktioniert hat wie gedacht :piper:
Und das war's dann... meistens... wenn nicht wird es endgültig ad acta gelegt.
Multitaskingfähig bin ich definitiv nicht :rollgrin:
Liebe Grüße
Brigitte

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von Vanessa » Do 24. Apr 2014, 19:08

Mehrere Bilder auf einmal male ich nicht.
Aber mehrere Bilder hintereinander schon.
Da ich ziemlich schnell male, können in ein paar Stunden einige Bilder entstehen.
Da ich viel fotografiere, kann ich über etliche Vorlagen verfügen.
Fotomotive suche ich schon automatisch nach Malbarkeit aus.
Ich kann ein Motiv eigentlich immer nur einmal malen.
Auch wenn es mir nicht gefällt, oder wenn Fehler drin sind: das zweite Bild wird nie besser.
Meine Bilder durchdenke ich nicht.
Ich hoffe, sie gelingen mir spontan.
Und wenn nicht,- macht nichts. Ich male einfach gerne.
Grüße von Vanessa
Große Kunst ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann.

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Re: "Multitasking" oder ein Bild nach dem Anderen

Beitrag von GoldSeven » Sa 26. Apr 2014, 00:05

Ich habe das früher genauso gemacht, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass nochmal anfangen bei mir unwahrscheinlich viel Zeit spart. Ich habe immer noch Hemmungen, ein Bild zu schreddern und neu anzufangen, obwohl der zweite Versuch immer besser wird, viel schneller geht, und das stückweise Ausbessern und Zusammenfrankensteinen von Bildern, bei denen ich einige Ecken retten möchte und andere gar nicht gehen, fast nie gutgeht. Grade gestern wieder. Ein Bild fertig gehabt, vier Stunden investiert, komplett vor die Wand gefahren, in zwei Stunden neu gemacht und alles saß auf Anhieb.

Das mache ich aber auch nur bei Sachen, die wirklich fertig und gut werden sollen. Ansonsten verbuche ich es als Erfahrung und mache eher das nächste.

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