Easy-Aquarell: Der Aquarell-MalkursEasy-Aquarell: Der Aquarell-Malkurs

Kompositionen

Man kann ein wunderschönes Motiv haben und dieses zeichnerisch perfekt umgesetzt haben - aber dennoch funktioniert das fertige Bild nicht: Es wirkt langweilig und es fehlt das "Wow"-Erlebnis. Oftmals ist dies auf eine unausgereifte Komposition zurück zu führen. Dies kann manchmal wirklich über "gefallen" und "nicht gefallen" beim Betrachter entscheiden. Mit einer guten Komposition hat man daher eigentlich fast immer schon gewonnen.

Wie sieht nun so eine gute Komposition aus? Hierfür gibt es einige Regeln, die ich im Weiteren aufzählen möchte. 

  • Hauptmotiv raus aus der Mitte: Um einem Bild Spannung einzuhauchen und es interessant wirken zu lassen, sollte man den "Star" des Bildes nicht in der Bildmitte platzieren, sondern immer etwas versetzt. Das führt uns zu der Drittel-Regel und dem Goldenen Schnitt:
  • Drittel-Regel und Goldener Schnitt: Die Lehre des Goldenen Schnittes ist schon seit der Antike bekannt und teilt einen Gegenstand in einem bestimmten Verhältnis ein. Dieses Teilungsverhältnis wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden, da es sehr oft in der Natur vorkommt. Hierbei entspricht das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil (Major) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (Minor). Klingt recht kompliziert. Ist es leider auch, denn will man diese Formel auf ein Bild anwenden, muss man je nach Format immer wieder neu berechnen, wo der Goldene Schnitt liegt. Das Teilungsverhältnis entspricht etwa 61,8% zu 38,2%. Man teilt also alle 4 Seiten des Formats entsprechend dieser Angabe ein (Tipp: mit dem guten alten Dreisatz rechnen) und verbindet die gegenüber liegenden Linien miteinander. In den Schnittpunkten (es sind 4 Stück) befindet sich dann der Goldene Schnitt bzw. die Stelle, wo man seinen Star platzieren sollte. Die Drittelregel ist im Prinzip eine Vereinfachung des Goldenen Schnitts: Man teilt alle Seiten des Bildes in drei gleich große Teile und verbindet die gegenüberliegenden Punkte miteinander. In einem der (wieder 4) Schnittpunkten sollte sich der Star befinden.
  • Ungleiche Horizontaufteilung: Ebenfalls als langweilig wird eine Landschaft empfunden, bei welcher Himmel wie auch Landschaft die gleiche Fläche einnehmen. Spannung wird erzeugt, indem man den Horizont besonders tief oder besonders hoch ansetzt. Natürlich kann man die Teilungsnaht auch nur leicht nach oben oder unten versetzen - dies kommt ganz auf das Motiv an und was der Maler ausdrücken möchte, welche Emotionen er im Betrachter erzeugen will.
  • Diagonalen: Ebenfalls Spannung kann erzeugt werden, indem man sein Motiv entlang einer Diagonalen im Bild anlegt. Ein Blumenstrauß beispielsweise bewegt sich von links unten nach rechts oben im Bild. Ein Lavendelfeld zieht sich von links oben nach rechts unten etc.. In unserem westlichen Kulturkreis, wo wir von links nach rechts lesen sind Kompositionen, die einen Verlauf von links unten nach rechts oben haben, oftmals ansprechender als die Gegenbewegung.
  • Wiederholungen von Objekten: Tauchen z.B. Blüten mehrfach im Bild auf, sollte man eine ungerade Anzahl anstreben. Dies wirkt unvollständig und gerade dadurch interessant und spannend. Auch Wiederholungen von besonders ausdrucksstark gemalten Blütenköpfen in der Anordnung eines Dreiecks wirken interessant. Wiederholungen produzieren Harmonie im Bild. Die einzelnen Bildteile werden damit zusammengeführt und ergeben ein großes Ganzes. Dies gilt auch für:
  • Wiederholungen von Farben: Wie bereits die wiederholten Objekte können auch sich wiederholende Farben in einem Bild zur Harmonie des Ganzen beitragen. Drei ist auch hier die magische Zahl: eine besondere Farbe, die auch im "Star" vorkommt, sollte noch an zwei weiteren Stellen im Bild auftauchen. Dies kann auch sehr dezent geschehen, damit es nicht zu unruhig im Bild wird. 
  • Der rote Faden: Ein gutes Buch hat meist einen roten Faden, der sich durch die gesamte Handlung zieht und alles zusammenhält. So ist es auch bei einer guten Komposition. Durch die Anordnung der Gegenstände und Blickfänge im Bild, kann der Maler den Betrachter regelrecht durch ein Bild hindurch führen. Ist man hierbei sehr geschickt, wird das Auge am Ende wieder am Einstieg ankommen und der Betrachter von neuem ins Bild geführt werden. Ein so angelegtes Bild wird oft viel länger betrachtet als ein Bild, wo der "rote Faden" mittendrin abbricht.
  • Gewicht: Das Gewicht ist natürlich nur subjektiv gefühlt und bezieht sich auf keine Gewichtseinheit. Bei manchen Bildern hat man das Gefühl, dass "das Bild kippt". Konzentriert man sich im Malprozess nur auf einen Teil des Bildes und verliert die anderen Teile aus den Augen, wirkt eine Seite häufig zu überladen, während eine andere nahezu leer erscheint - das Bild "kippt" quasi auf die schwere Seite. Um ein Gleichgewicht hinein zu bringen reicht es oft aus, eine Farbe aus der vollen Seite in die leere Seite zu bringen oder einen kleinen, undetailierten, unwichtigen Gegenstand in die leere Stelle einzufügen, der als Gegengewicht funktioniert. Generell sollte man während des Malens immer wieder zurücktreten und das Gesamtgefüge begutachten, um rechtzeitig einschreiten zu können. Hilfreich ist auch das Malen im Stehen, da man hier weiter weg ist vom Bild.
  • Emotionen auslösen: Durch Objekte unterschiedlicher geometrischer Formen kann man bestimmte Emotionen im Betrachter auslösen. Gegenstände in dreieckiger Form erinnern oft an Pfeile und lösen eine Emotion von Gefahr, Angst oder Aggression aus. Runde Gegenstände wirken hingegen harmonisch und natürlich. Je nachdem wie diese Formen kompositorisch im Bild eingesetzt werden, kann man die Stimmung des Bildes beeinflussen. Oftmals geschieht dies jedoch eher unbewusst.  

Schlussendlich sind Regeln in der Kunst jedoch da, um gebrochen zu werden. Ja, es klingt komisch - aber in einigen Fällen lösen bestimmte Bilder beim Betrachter ein "Wow"-Erlebnis aus, obwohl sie gegen alle Regeln der Komposition verstoßen. Manchmal werden bestimmte Emotionen ausgelöst - durch Farb- oder Motivwahl und wie das Motiv technisch umgesetzt wurde und durch andere Faktoren, die man nicht so ohne Weiteres bestimmen kann. Genau das sind die kleinen Geheimnisse, die selbst Profis manchmal immer wieder in Erstaunen setzt.