Pro traditionell gemalte Aquarelle

Hier könnt Ihr über alles diskutieren (und auch mal Dampf ablassen), was mit dem Thema Kunst zu tun hat.

Moderatoren: Ultramarin, ulistol

Malmal
Beiträge: 1810
Registriert: So 6. Sep 2009, 19:43
Geschlecht: Männlich
Wohnort: NRW (Krs. D`dorf/Mettmann)
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von Malmal » Sa 24. Okt 2009, 00:43

Mach ich doch mal den Anfang.
Also: entweder habe ich bis heute noch kein - mich überzeugendes - Aquarell mit abweichenden Maltechniken gesehen oder es gibt sie für mich nicht. :picking: Effekte mit Salz zu erzeugen, finde ich noch - nützt es der Stimmung des Bildes, schön. Auch die Spritztechnik ist meines Wissens noch relativ neu, aber bei vielen Bildern stilistisch der Hammer. Ansonsten ist meine persönliche Meinung: traditionell gemalte Aquarelle sind die anspruchsvollsten, schwierigsten, stimmungsvollsten Bilder, die auch nach vielen Jahren noch nicht überholt oder als Opfer des Zeitgeschmacks gesehen werden.

Vielleicht liege ich für viele schief mit meiner Sichtweise. :bristle: Aber die Überzeugung, z.B. Sand, Gräser, Zweige oder sonstwas ins Aquarell einzubauen, fehlt mir. Es nimmt mir einfach zu viel Charakter, ist mir in Einheit mit Aquafarben zu grob.
Für Ölbilder gelten ganz andere Regeln. Hier gilt für mich ein ganz anderes Spektrum für die bereits genannten Möglichkeiten. Aber - vielleicht bezeichnender Weise - ölmalen hat mich noch nicht animieren können.

:gone:
Klaus :boxing:

Benutzeravatar
Midge
Administrator
Beiträge: 4513
Registriert: So 1. Feb 2009, 16:42
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Pfungstadt
Hat sich bedankt: 180 Mal
Danksagung erhalten: 269 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von Midge » Sa 24. Okt 2009, 15:56

Hallo Klaus,

Du sprichst da ein interessantes und auch sehr kontrovers diskutiertes Thema an. Schön! Danke Dir! :rollgrin: Jetzt kommt endlich mal Leben ins Forum. *hihi*

Du hast völlig recht mit der Bemerkung, dass ein traditionell gemaltes Aquarell mit samt seiner Zartheit und den Effekten, die man damit bei richtiger Lasurtechnik erzeugen kann, höchst anspruchsvoll und wohl eine der schwierigsten Techniken ist, die es in der Malerei gibt. Ich glaube, diesen Punkt bestreitet keiner.

Diskussionspunkt ist natürlich wie immer der Geschmack. Viele Leute finden die traditionelle Malweise oftmals zu "langweilig". Vielleicht auch, weil sie einfach sehr anspruchsvoll ist und enorme Materialkenntnis voraussetzt. Man muss jedes einzelne Pigment und dessen Charakteristika wie Transparenz, Deckkraft, Granulierungsfähigkeit etc. kennen, damit das Weiß des Papieres die Farben zum Leuchten bringt und kein "Schmutz" entsteht.

Ich denke daher, dass es durchaus legitim ist, "Spezieleffekte" einzubauen, um eben mangelnde Materialkenntnis auszugleichen und dennoch ein schönes Bild zu malen. Dann ist es vielleicht nicht mehr ein "traditionelles" Aquarell, aber trotzdem entstehen dabei sehr schöne Bilder. Es ist dann halt einfach ein anderer Stil. So ähnlich, wie wenn man mit Öl oder Acryl entweder lasierend malt oder impasto mit dem Spachtel. Natürlich sollte man mit eingebundenen Fremdgegenständen wie Sand, Gras etc. bei einem Aquarell etwas dezenter vorgehen als z.B. bei Acryl. Aber das macht man, denke ich, automatisch, wenn man den Zauber der Farben nicht zerstören möchte.

Ich kenne einige Kunstliebhaber, die an meinen Bildern Anstoß nehmen, weil sie nicht zart genug, nicht "aquarellig" genug sind. Nun, das ist mein persönlicher Stil. Ich finde oftmals Aquarelle, die zu verwässert sind, langweilig, farblos und energiearm. So scheiden sich die Geschmäcker. Dafür habe ich aber auch einige Kunden, denen meine kräftig gefärbten Bilder sehr gut gefallen. Damit muss man als Künstler leben. Man darf sich da auch nicht beirren lassen, sondern muss sein eigenes Ding weiter machen. Die Geschmäcker sind eben verschieden und das ist auch gut so! Sonst wäre die Welt ja furchtbar eintönig und langweilig. :batting:

Oftmals ist der Versuch, Zweige, Muscheln, Sand etc. in ein Aquarellbild einzubauen, einfach der Wille, mal was Neues auszuprobieren, einen Exkurs aus der eigenen Stilrichtung zu machen, einfach um zu schauen, was passiert. Ich finde das ganz klasse, denn nur so entstehen neue Erfindungen, neue Malrichtungen. Das ist Kreativität! :ok: Ganz unabhängig davon, ob man dann dieses Bild noch Aquarell nennen möchte oder nicht. Ein Kunstwerk bleibt es allemal. Und wenn es gefällt? Um so besser!

Ich glaube, dem Kunstlaien an sich ist es piep schnurz egal, ob ein Bild nach traditioneller Aquarelltechnik ganz puristisch gemalt wurde oder ob noch SchnickSchnack mit eingearbeitet wurde - so lange es nur gefällt und einen Menschen ganz persönlich anspricht.

Soviel von meiner Seite dazu.

Viele Grüße,
Midge

Anscha
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von Anscha » Di 27. Okt 2009, 08:41

Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir darüber gar keine Gedanken mache, ob etwas irgendwo hingehört oder nicht. Meine Devise ist "erlaubt ist, was gefällt". Und mir gefallen am allerbesten die ganz klassischen Aquarelle.

zerlina
Beiträge: 551
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 13:31
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: im schönen Taunus
Hat sich bedankt: 51 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von zerlina » Di 27. Okt 2009, 22:10

Hallo, Ihr Lieben, :wave:
ich möchte mich ebenfalls mal dazu äußern, denn ich finde, dass alles erlaubt ist, die Hauptsache ist doch, dass es gefällt. Ganz nach dem Motto: Phantasie muss grenzenlos bleiben. Denn gezähmt wäre sie keine Phantasie. (August Everding)
Natürlich ist alles Geschmacksache,aber das macht ja eben die Phantasie aus und jedes Bild wirkt auf jeden anders. Ich mag z. B. keine Bilder, die mit zuviel Lilatönen gemalt sind, bzw. wenn der Künstler ausschließlich in jedem Bild die gleichen eintönigen Farben nimmt. Hoffe, Ihr wisst, was ich meine. Ich kenne da eine Künstlerin, die immer die gleichen 2 Farben nimmt und alle Bilder sehen farblich gleich aus und dann meint sie immer: Schaut doch mal meine knalligen Bilder an!
Auch die ganz "faden" Bilder gefallen mir ebenfalls nicht so gut. Ich habs lieber etwas kräftiger in den Farben.

LG

zerlina
"Phantasie muss grenzenlos sein dürfen. Denn gezähmt wäre sie keine Phantasie." (August Everding) Meine HP - Mein Blog

Malmal
Beiträge: 1810
Registriert: So 6. Sep 2009, 19:43
Geschlecht: Männlich
Wohnort: NRW (Krs. D`dorf/Mettmann)
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von Malmal » Mi 28. Okt 2009, 13:28

Im Allgemeinen besteht wohl Konsens, was Freiheit und Tolleranz in der Kunst betrifft. Ich schätze eben manche Stilrichtung/Maltechnik nicht unbedingt als Weiterentwicklung ein. Steht ein kommerzieller Wegweiser im Vordergrund, sehe ich sogar die Gefahr, sich für den besseren Preis von der wirklichen Kunst zu entfernen, mitunter sogar zu verbiegen.
Und mit eingefügten Naturalien künstlerisches Defizit ausgleichen...weiß nich! Bringt einen doch auf dem Weg, gute Aquarelltechnik zu erlernen, auch nicht unbedingt weiter. (Rechtfertigt sich evt. noch, wenn man seine Bilder so besser vermarkten kann) Da bin ich allerdings - wie sicher die meißten Forumsmitglieder - froh, malen zu können, was ich will :jepeeh: (nicht, was ich soll)!
Für meinen ganz persönlichen Geschmack hat eben das traditionell gemalte Aquarell den Vorzug. Es bietet mir genug künstlerische Freiheit und noch enorme Entwicklungsmöglichkeit.

Aber ich will ja niemanden bekehren, nur meinen eigenen Standpunkt vertreten. :piper:
Und dabei immer schön tollerant bleiben....

Tschüs :wave:
Klaus

oberlel
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von oberlel » Sa 6. Nov 2010, 16:37

und ich weiß nicht was denn traditionell bedeutet. ist es die technik, ist es die art motive anzulegen, ist es in einem fotorealismus immer wieder zu versuchen schön zu malen? was ist traditionell, purismus, der auf salz, maskierflüssigkeit, einmalungen mit anderen farben von vornherein und überhaupt verzichtet.
ich bin kein fan von diesen lieblichen bildchen die verschuen alles was es zu sehen gibt auch umzusetzen, ich bin ein fan der reduzierung, das gehört in die art motive anzulegen und in der technik verzichte ich auf all den schnickschnack, die unmöglichen pinsel mit zacken und was weiß ich noch alles. für mich verlangt ohnedies jedes bild nach einem bestimmten aufbau und den kann man nicht mit richtig, falsch, traditionell oder fortschrittlich bewerten.
jeder wie er kann, weil wie er will wird es meistens eh nicht.

Malmal
Beiträge: 1810
Registriert: So 6. Sep 2009, 19:43
Geschlecht: Männlich
Wohnort: NRW (Krs. D`dorf/Mettmann)
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von Malmal » Sa 6. Nov 2010, 22:14

Genau so ist´s gemeint!

Klaus

shumil
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von shumil » Sa 6. Nov 2010, 23:38

erlaubt ist was gefällt

und zwar nicht dem betrachter, sondern dem menschen beim akt der schöpfung seines werkes

allerdings fand ich noch kein bild schön, wo irgend etwas reingeklebt oder mit gips aufgepappt war und was dann übergemalt wurde - aber wem es spass macht, bitte!

'traditionell aquarell' scheint mir kaum möglich, denn ich gewinne den eindruck, dass grad aquarell so viele verschiedene techniken und dadurch uenendlich viele stilmöglichkeiten bietet, die man bei anderen medien anscheinend nicht hat

lg

helen lu
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von helen lu » Di 9. Jul 2013, 20:12

ich hab jetzt auch noch nie Sand oder Gras oder sowas in ein Aquarell geklebt.... würde ich glaub ich auch nicht machen...... aber mal mit Deckweiss noch Gräser gemalt... oder das ganze mit farbigen oder weissen Spritzern noch abgerundet.... das schon. und das werde ich auch weiter machen.

aber verbieten kann man das kaum jemandem.... es soll doch jeder so malen wie es ihm gefällt..... auch wenn das nicht mein Geschmack ist.....
wenn das Alle gleichsehen würden wird das doch Langweilig...eintönig !

Benutzeravatar
awa123
Beiträge: 785
Registriert: Fr 19. Apr 2013, 20:20
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Deutschland
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: Pro traditionell gemalte Aquarelle

Beitrag von awa123 » Di 9. Jul 2013, 22:09

Nun, ich selbst schätze Bilder, die nicht langweilig sind. Frage stellt sich mir: welche das sind?
Hab ich z.B. einen "Künstler" der malt wie schon beschrieben, immer mit der gleichen Farbkombination, dann mag das für einen neuen Betrachter zwar interessant sein, aber für Diejenigen , die seine Bilder kennen auf Dauer " recht langweilig" .
Warum ist das so?? Das frage ich mich selbst. Nun, weil ich mir sage: Kennste ein, zwei Bilder, dann kennst du alle Bilder. Mir sagt das letztendlich, dass die Fortentwicklung desjenigen/derjenigen irgendwie stehengeblieben ist.
Trotz alledem erkenne ich persönlich schon sehr hoch an, wenn man es sagen wir mal, handwerklich soweit geschafft hat. Mir selbst fehlen diese Techniken und ich erkenne sie an.
Dann wünsche ich mir aber für denjenigen , dass er sich selbst fortentwickeln kann und nicht so ewig auf einem stehen bleibt.
Das wird und wirkt für mich als Betrachter dann halt auf Dauer "langweilig".
Grüße Gabriele

Zurück zu „Diskussionen rund ums Thema Kunst“

Dieser Link zeigt auf eine externe Seite.