Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

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evian.m
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Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von evian.m » Sa 18. Jun 2011, 08:41

Guten Morgen :wave:
Ich habe mir jetzt schon einiges ergockelt. Aber so richtig schlau werde ich nicht (wohl nie nicht mehr :lolfloor: )
Wann ist etwas abstrahiert? Wann etwas wirklich abstrakt?

Letztes Wochenende wollte ich mal etwas "Abstraktes" versuchen. So für den Hamü-Wettbewerb. Ging natürlich in die Hose bzw. in die Tonne. Vorher aber noch fotografiert.

Ich stellte schon von Anfang an fest, dass es eher gegenständlich bzw. landschaftlich wird.
Als es dann quasi zu spät war, einfach rumgespielt. Ordentlich Wasserpinsel und Aquarellblock hoch- und querkant geschwenkt :lolfloor:

Das Ergebnis seht ihr unten.

Wie würdet Ihr das Motiv (unabhängig von der Qualität, die ist :roll: ) einstufen?

1. Noch als "gegenständlich" mit undefinierbarem Wirrwarr?
2. als abstrahierten Versuch?
3. schon in Richtung "Abstrakt"?
.
.
.
4. Papiertonne (eh klar :lolfloor: )

Mich würden Eure Meinungen dazu interessieren. Gerne auch "wie kannst Du nur...." usw. Aber dass das Motiv für die Tonne ist, weiß ich selbst :lolfloor:

Mich interessiert mehr, wie Ihr das Bild einstufen würdet. Unter Punkt 1.,2, 3 oder ggf. einem anderen Punkt?
DSCF2035.JPG
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Roadrunner1204
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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von Roadrunner1204 » Sa 18. Jun 2011, 08:57

Hallo Evian,

ich hab ja nun davon so garkeine Ahnung aber dennoch würde ich persönlich es unter Punkt 2 abstrahieren sehen, weil es doch in einem sehr "freien" Stil gemalt ist, aber man den Berg, die Wiese und den Himmel noch erkennt.
Abstrakt sehe ich wenn es Formen, Figuren usw. sind die man nicht einordenen kann.

Ob ich da Richtig liege müssen allerdings die Kunstprofis entscheiden.

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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von ulistol » Sa 18. Jun 2011, 09:14

vielleicht als - frei gestaltet - aber für eine "Einordnung" sind unsere Experten eher geeignet als ich.
Viele Grüße von Uli

oberlel
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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von oberlel » Sa 18. Jun 2011, 11:54

abstrakt hieße, von dem motivkern gedanklich ein bild aufbauen zu können, so gesehen könnte man dein bild als vorabstraktion bezeichnen, obwohl0, würde es weiter ausgeführt ins gegenstandlose abtrifftet.
abstrahiert heißt, schicht um schicht des vorbilds abgenommen zu haben um abstrakt zu werden.
ich mache immer darauf aufmerksam, abstrakt und gegenstandslos nicht zu verwechseln. abstrakt in der gegenwart ist gerhard almbauer, der über viele stufen in seinem werk dorthin gekommen ist.
an sich spricht aus deinem bild eine gewisse hilflosigkeit die auf eine fehlende vorausüberlegung hinweist.

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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von evian.m » So 19. Jun 2011, 00:40

Vielen, vielen Dank an Euch für Eure Meinungen und Informationen :wave:
Komme erst jetzt zum Antworten, da ich heute in Kaiserslautern zu einem Treffen war, in dessen Rahmen es um Eitempera und Keilrahmenbau ging. Sehr interessant!

Aber zurück zum Thema...
Ja, Oberlel, das trifft 100 pro zu. Ich hatte eigentlich keine konkrete Vorstellung und habe einfach mal zu malen angefangen.....
Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, zumal ich vor drei Jahren mal im Rahmen eines Malurlaubes die Vorgehensweise zum Abstrakt-Malen durchzelebriert habe. Mit viel mehr Zeit für die Vorplanung und -arbeit als letztendlich für die malerische Umsetzung.

Und dann gedacht habe, abstrakt ist gut und schön, macht aber auch viel Arbeit (Karl Valentin lässt grüßen :lol: Nur bei ihm war es generell die "Kunst")

Ich lasse das mit dem Abstraktem auch bleiben. Ist einfach nicht "mein" Ding.

:wave:

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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von Vanessa » So 19. Jun 2011, 07:51

evian.m hat geschrieben: Ich lasse das mit dem Abstraktem auch bleiben. Ist einfach nicht "mein" Ding.
och nee....

Dein Bild sieht aus wie das Rheintal mit Burg Katz und Maus. :lolfloor:
Ich glaube, du hast das gleiche Problem mit Abstrakt wie ich.
„Es wird schon werden“- aber am Ende sind es nur verlaufende Farben.
Was oberlel da erklärt hat, hört sich klasse an.
Und die Bilder des Malers gefallen mir gut.

Vielleicht ist das der Weg: vom gegenständlichen Gegenstand so viel wie möglich weg zu lassen. :devil:

Versuch es doch weiter.
WIR wollen doch bis zum Ende des Monats ein brauchbares Bild einsenden,-oder? :wave: :wave:
Grüße von Vanessa
Große Kunst ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann.

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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von evian.m » So 19. Jun 2011, 09:30

Lieben Dank, Vanessa :wave:
Ja, oberlel hat das anschaulich erklärt. So war es auch damals in meinem Kursurlaub.
Wir haben dort Zeitschriften (Klatschblätter, Wohnzeitschriften, GEOs etc.) nach uns ansprechenden Motiven durchgeblättert und uns dann ein Motiv ausgesucht.

Von diesem dann wiederum Ausschnitte ausgesucht, die uns besonders ansprechen. Also mehrere. Diese markiert und ausgeschnitten. Dann die Ausschnitte auf der Malgrundlage angeordnet (also auch ein bißchen rumgespielt mit den Ausschnitten).
Anschließend dann anhand der platzierten Ausschnitte vorskzizziert und dann losgelegt.
Die Ergebnisse waren überraschend. Sie hatten natürlich nichts mehr mit der ursprünglichen Vorlage zu tun. Dennoch hatten wir beim Betrachten unserer jeweils eigenen Bilder immer wieder die ursprüngliche Vorlage im Sinn.

Mal gucken, vielleicht mache ich heute noch einen Versuch :batting: :wave:

xchaos
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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von xchaos » Di 9. Jul 2013, 14:42

ein Versuch und nicht mal schlecht

:wave:

Artbreaker
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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von Artbreaker » Do 24. Apr 2014, 17:04

Also ich kann einige Richtlinien rein bringen wie man richtig gut abstrahiert, aber natürlich auch Übung benötig…

Abstrahiert haben ja schon die alten Meister, es ist einfach nur ein Reduzieren von unwichtigen Detail die entweder nur schemenhaft angedeutet werden oder durch kleine Spielerein und durch die Pinselführung ersetzt werden.
Die Stilarten oder Richtungen langen von der Flämischen Malerei bis hin zum Impressionismus wie Renoir oder Monet. Im Allgemeinen sagt man auch Realismus dazu, nicht zu verwechseln mit dem Fotorealismus….

Der Trick liegt einfach in den lost and found edges oder auch Kantenarbeit genannt. Das hat was mit der Physiologie oder dem peripheres und foveales Sehen zutun und bezieht sich einfach nur auf die Wahrnehmung, und wie unser Blick durch ein Bild geführt wird.

Scharfe Kanten entstehen zum Beispiel wenn besonders Tiefe Tonwerte neben sehr hellen Tonwerten positioniert sind. Scharfe Kanten bilden in dem Moment die Blickführung bei dem das Auge immer wieder zur Orientierung zurück wandert um den Halt zu bekommen.

Wenn sich aber nun Tonwerte angleichen, kann man sie abstrakter gestalten oder Weicher machen, mit Verläufen oder anderen Spielerein. Wichtig ist immer das eben die Scharfen Kanten für die Orientierung enthalten sind.

foveales Sehen ist immer Relativ zu den daneben liegenden Bereichen, wie eine Symbiose. Das gleiche gilt auch für Farben und Farbkontraste. Die Leuchtkraft wird nicht unbedingt von den eigentlichen Farben gesteuert, sondern bildet immer einen Kontext zu den daneben liegenden Bereichen.
Die alten Meister Zum bespiel hatten damals keine besonders Farbe-kräftige Pigmente zur Verfügung gehabt wie wir heute, also setzten sie die umliegenden Bereiche von der Sättigung sehr stark herab um bestimmte Farben mehr raus zu heben.

Ich habe mal ein Bespiel zur besseren Verständnis http://3.bp.blogspot.com/-QLdQQVLvOvk/U ... ure+31.png

Achtet mal darauf wo ihr die scharfen kanten findet und welche Tonwerte die daneben liegen Bereiche haben.
Über all da wo die Tonwerte sich angleichen, wurde abstrahiert, diese Bereich sind nicht wichtig für uns aber unser Auge ergänz so zusagen die Details.

Wenn man nun draußen malt und live die Objekte vor sich hat, kneifen viele einfach die Augen. Das was verschwimmt kann man reduzieren, weglassen oder ineinander laufen lassen(beim Aquarell) So kann man auch wichtige Bereiche von den unwichtigen Bereichen einfach selektieren.
Bei Fotos geht das nicht so gut, ein Foto bildet da alles scharf ab und berücksichtigt dies nicht.

Und noch mal ein Künstler der wieder anders damit umgeht wäre Daniel Sprick http://1.bp.blogspot.com/-qcBBY8iv5T8/U ... Apples.jpg

Er erhöht etwas die Kontraste, so kann er mit dieser Methode besonders spitze und besonders weiche Kanten erstellen, die den Eindruck vermittelten von einer leicht überspitzen Realität der 3 dimensionalen Optik. Auch sind die Kanten wichtig ob sie uns den Eindruck vermitteln ins Bild hineinzugreifen.

So, vielleicht konnte ich dem ein oder anderen etwas damit helfen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Artbreaker für den Beitrag (Insgesamt 2):
Midge (Do 24. Apr 2014, 17:04) • Ultramarin (Do 24. Apr 2014, 17:04)

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Re: Gegenständlich, abstrahiert oder schon abstrakt???

Beitrag von Didier » Fr 9. Aug 2019, 22:10

Abstrakt? Wer von Euch weiß, was Otto Dix über abstrakte Malerei sagte?

Für mich:
Seht Euch mal dieses Bild von Fragonard an:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... arrior.jpg
Ein Portrait zusammengesetzt aus abstrakten One-Stroke-Pinselstrichen.

Abstraktion in der modernen Malerei halte ich für eitle Wichtigtuerei. Sicher kennt Ihr Bildbeschreibungen von Ausstellungsmachern, die eine seltsam verschwurbelte Sprache benutzen:
https://www.spiegel.de/kultur/gesellsch ... 09157.html

Otto Dix, nach dem Krieg, meinte, daß die aufkommende abstrakte Kunst zeige, daß Künstler nach der großen Katastrophe einfach nichts mehr zu sagen haben. Denn das, was vor der Katastrophe gesagt wurde, hat nichts verändert bzw. bewirkt.
“Der wahre Nutzen der Kunst besteht in erster Linie darin, die eigene spirituelle Natur des Künstlers zu fördern.” George Inness

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