Skizzen
Auch wenn man beim Aquarell nicht zwangsläufig nur gute Bilder malt, wenn man eine Vorskizze anlegt, so ist dies doch manchmal recht hilfreich. Besonders, wenn man noch Anfänger ist und noch nicht so genau weiß, worauf es ankommt beim Aufbau eines Bildes. Manchmal entstehen jedoch auch durch ganz spontanes „Drauflosmalen" die schönsten Bilder. Ich möchte also keinen auf Vorskizzen festnageln, da ich selbst eher selten Vorskizzen anfertige.
Wenn man sich den Aufbau eines Bildes überlegt, sollte man Vorskizzen zunächst auf ein separates Zeichenpapier zeichnen. Der Grund ist, dass man auf einem normalen Zeichenpapier flexibler ist und auch mal heftig radieren kann. Radiert man hingegen auf Aquarellpapier, ist die Oberfläche des Papiers meist derart beschädigt, dass die Farben später auf den radierten Flächen anders fließen und tiefer in das Papiergewebe eindringen, was zu unschönen Effekten führen kann.
Will man also direkt auf Aquarellpapier zeichnen, sollte man vorher schon ziemlich genau wissen, was man will und zum Radieren nur einen Knetradiergummi verwenden. Diese Gummis sind verformbar wie Knetmasse und durch ihre Weichheit wesentlich sanfter zum Papier als normale Radiergummis.
Die Vorskizze oder Vorzeichnung wird also auf einem normalen Zeichenpapier erstellt. Gut ist es, wenn man die Zeichnung in der Größe anfertigt, in der sie auch später auf dem Aquarellpapier erscheinen soll, denn dann kann man einfach ein Kohlepapier nehmen und die Vorzeichnung auf das Aquarellpapier durchpausen. Dafür liegt das Kohlepapier mit der schwarzen Kohleseite nach unten auf dem Aquarellpapier, die Vorskizze darüber und nun zeichnet man die Konturen der Bildgegenstände mit einem Bleistift noch einmal nach. Hierbei den Bleistift auch nicht zu fest aufdrücken, da sonst Rillen im Aquarellpapier entstehen und auch die Kohle später nicht so leicht wegzuradieren ist. Alternativ schraffiert man die Rückseite der Vorskizze mit einem weichen Bleistift und zeichnet die Umrisse der Skizze auf dem Aquarellpapier dann nach. Die Umrisse erscheinen sodann auf dem Aquarellpapier.
Ein Kompromiss zwischen Vorskizze auf Zeichenpapier und einfach drauf los malen ist, dass man in ganz zarten Bleistiftstrichen direkt auf dem Aquarellpapier die wichtigsten Grenzen und Objekte grob einzeichnet. Das wäre beispielsweise die Horizontlinie und die Hügelumrisse bei einem Landschaftsbild oder die Vasenform bei einem Blumenstillleben. Für detailliertere Bildgegenstände wie ein Portrait, ein Musikinstrument oder Architektur ist es jedoch meist unumgänglich eine Vorskizze auf einem Zeichenpapier zu erstellen. Erfahrungsgemäß wird bei diesen Motiven am meisten radiert und verbessert und die Gefahr, dass das empfindliche Aquarellpapier zu Schaden kommt, ist sehr hoch.
Hilfreich ist manchmal auch das Erfassen der Tonwerte mit einer Tonwertskizze. Diese besteht aus den wichtigsten Elementen des Bildes, wobei mit Bleistift markiert wird, welche Teile oder Flächen am dunkelsten und am hellsten sind. Eine Tonwertskizze kann auch ruhig ganz klein gemalt werden. Sie dient lediglich als Erinnerungshilfe für die spätere Ausarbeitung im Bild.
Letztlich wird auch hier jeder Künstler seinen eigenen Weg finden. Ob mit oder ohne Vorskizze – Kunst bleibt Kunst und gut ist, was gefällt.
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