Aaron hat geschrieben:
Zeichnung nach Fotografie verdirbt nämlich streng genommen die eigene Auffassung des Sujets, da man sklavisch die Perspektive des Objektivs übernimmt. Die ist aber nahezu immer unzureichend, da sie durch technische Apparatur erzeugt wurde und nicht das zeigt, was der Mensch vor dem natürlichen Motiv sieht. Das gilt für die Perspektive, die Farbe, die Detailliertheit, aber vor allem für die Aufteilung des Motivs auf der Fläche. Eine gute Arbeit zeichnet sich vor allem durch eine raffinierte Bildaufteilung aus. Das betrifft das Setzen der Schwerpunkte und die Anordnung des Motivs auf dem Papier. Benutzt man Vorlagen, die man abzeichnet oder paust ab, dann schneidet man sich auch die Möglichkeit ab, das Motiv ansprechend neu in Szene zu setzen.
Ja, das habe ich schon oft gehört. Allerdings stimme ich dem nur bedingt zu. Viele benutzen ein Foto nur als Erinnerungsstütze für das Gesehene. Es ist schade, wenn man vor einem tollen Objekt steht, aber leider die Zeit fehlt, sich mit Stift oder Pinsel davor zu setzen und es live abzumalen. Oder es kommt gerade ein Regenguss oder man hat seine Malsachen nicht dabei oder... oder...oder... Dann macht man schnell ein oder mehr Fotos und bastelt sich dann zu Hause im Trockenen das Motiv neu zusammen. Sicher sollte man bei einem Foto genau abwägen, welche Teile man in seine Zeichnung übernimmt. Bei komplexen Motiven sollte man mehr reduzieren, bei ohnehin schon undetailierten Vorlagen kann man auch alles übernehmen. Wichtig ist einfach, dass man wirklich nicht exakt die Farben versucht darzustellen, die man auf dem Foto sieht, sondern eher zu interpretieren. Denn dabei kommt dann wirklich die eigene Seele mit ins Bild.
Man kann Vorlagen auch abpausen oder abzeichnen und dennoch ein ganz neues Bild erschaffen und das Motiv ansprechend neu in Szene setzen. Insofern halte ich es nicht für schlimm, ein Foto abzuzeichnen - wenn man eben dabei mehrere Foto- Vorlagen kombiniert und miteinander ergänzt. Ich kann also zwei Blumenvorlagen haben, die ich abpause, aber je nachdem, wie ich sie auf dem Zeichenpapier/Aquarellpapier anordne, habe ich jedes Mal ein völlig neues Bild.
Aber das kann jeder so handhaben, wie er möchte. Ich finde es einfach nur wichtig, dass jemand Spaß dran hat, was er macht. Denn nur das zählt. Und wenn jemand die Stütze eben braucht am Anfang mit Abpausen, dann ist es auch ok. Ich denke, je weiter man fortgeschritten ist, desto mehr kommt man davon ab - von ganz alleine. Aber ich glaube, da sind wir uns alle einig.
